In Basel ist nach dem Fasching vor der Fasnacht

Basel (Basel, 7. Februar 2020) – Die Schweizer sind anders – und das ist gut so. Legendär und mittlerweile zum immateriellen UNESCO Weltkulturerbe gehörend ist die Basler Fasnacht, die in diesem Jahr vom 2. bis 4. März 2020 dauert. Während der drey scheenschte Dääg steht Basel Kopf. Der Startschuss fällt jeweils am Montag nach dem Aschermittwoch bzw. Aeschermittwoch um Punkt 4.00 Uhr – bei totaler Finsternis. Dann verwandelt der geliebte Morgestraich die Innenstadt in ein Lichtermeer von handbemalten Laternen, wo tausende verkleideter Pfeiffer und Trommler ihre Laterne und damit ihr Sujet (Thema) musizierend begleiten – und zwar bis zum Endstraicham Donnerstag früh, wiederum um Punkt 4.00 Uhr.

Die Basler Fasnacht ist die grösste der Schweiz und zugleich die bedeutendste protestantische Fasnacht der Welt. Ihre Geschichte verliert sich aber im Dunkel der Zeit, da während dem verheerenden Erdbeben im Jahr 1356 alle Unterlagen dazu zerstört wurden. So stammt das älteste Dokument zur Basler Fasnacht aus dem Jahr 1376.

Wie die meisten Fastnachtsbräuche ist auch die Basler Fasnacht auf keltische und germanische Ursprünge zurückzuführen, auf Ahnenkult, Winteraustreiben und Fruchtbarkeitsrituale. Auch Waffenschauen der Zünfte, Ritterturniere oder die Feste vor der kirchlichen Fastenzeit haben den Brauch mitgeprägt. Als die Reformation jedoch das ausgelassene Treiben einzuschränken, zeitweise sogar zu verbieten begann, entwickelte sich die Basler Fasnacht mehr und mehr zum Widerstand gegen eine repressive Obrigkeit. Im 19. Jahrhundert begann sich die Fasnacht zu wandeln. Erste Cliquen formierten sich, erste Schnitzelbank-Sänger traten auf, das Trommeln und Pfeifen etablierte sich zunehmend als festes Markenzeichen. Die Themen der Umzüge wurden politisch und erhielten ihren typisch satirischen Charakter. Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts prägte die Fasnacht schliesslich so, wie wir sie heute kennen. Besonders nach dem zweiten Weltkrieg formierten sich viele neue Cliquen. Trommeln und Pfeifen wurde perfektioniert, Kostüme und Larven erhielten ihre berühmte baslerische Eigenständigkeit. Traditionen und Rituale entstanden, die heute so hoch gehalten werden, als wären sie Jahrhunderte alt.

Dos & Don’ts der Basler Fasnacht

Quelle: Basel Tourismus https://www.basel.com/de/basler-fasnacht/Dos-Don-ts

Morgenstreich

Am Morgenstreich herrscht ein grosses Gedränge. Es lohnt sich, in der Innenstadt frühzeitig ein Plätzchen am Strassenrand einzunehmen. Kleiden Sie sich warm und bequem und lassen Sie sperrige Taschen zu Hause. Vereinbaren Sie mit Ihren Begleitpersonen feste Treffpunkte zu bestimmten Zeiten, für den Fall, dass Sie sich aus den Augen verlieren. Dunkelheit ist oberstes Gebot am Morgenstreich. Daher sollte kein Feuerwerk gezündet werden und fotografieren Sie bitte ohne Blitzlicht.

Verkleidung

An der Basler Fasnacht tragen nur die aktiven Fasnächtler Kostüme. Schminken Sie sich bitte nicht, tragen Sie keine Pappnasen oder Narrenkappen – all dies ist an der Basler Fasnacht verpönt. Die einzige Ausnahme sind die Kinder, die sich an der Kinderfasnacht auch als Zuschauer verkleiden dürfen.

Kulinarisches

Traditionell wird nach dem Morgenstreich die erste Mehlsuppe verspeist. Ebenso stehen während der Fasnacht «Zwiibele- und Kääswäjie» (Zwiebel- und Käsewähe) auf dem Speiseplan. Bereits vor der Fasnacht sind Fasnachtkiechli (Fasnachtsküchlein) in diversen Geschäften anzutreffen, genauso wie die Faschtewajie (Fastenwähe). Auf welche Bräuche und Gepflogenheiten diese Speisen zurückgehen, lässt sich aber nicht mehr eruieren. Den Baslern ist’s egal – ob Mehlsuppe mit oder ohne Käse, schmecken tut’s sowieso.

Blaggedde

Die Blaggedde hat einen hohen Stellenwert unter den Baslerinnen und Baslern. Das broschenförmige Abzeichen gilt als kleines Kunstwerk, das mit einem einzigen Bild den Geist des Fasnachtsmottos transportiert. Der Verkauf der Blaggedde ist gleichzeitig die Haupteinnahmequelle für die Finanzierung der Fasnacht. Sie erhalten die Plaketten von fliegenden Händlern und kostümierten Fasnächtlern, an verschiedenen Kiosken und speziellen Verkaufsständen.

Keine Räppli auf Maskierte

Maskierte Fasnächtler dürfen nicht mit Räppli beworfen werden – das kann das Atmen unter der Larve erheblich beschweren. Auch dürfen Räppli, die bereits am Boden liegen, nicht wieder aufgehoben und geworfen werden.

Nichts in die Menge werfen

Waggis und andere Maskierte werfen gerne Orangen oder Süssigkeiten in die Menge. Diese sollten von den Zuschauern allerdings auf keinen Fall zurück oder weiter ins Publikum geworfen werden.

Vortritt beachten

Geniessen Sie die Fasnacht mit dem nötigen Respekt. Lassen Sie den Kostümierten den Vortritt, behindern Sie sie nicht beim Marschieren und bilden Sie keine Menschenketten.

Anreise

Das Auto lässt man zu Hause oder stellt es in ein Parkhaus am Stadtrand. Die Fahrpläne von Tram und Bus passen sich der hohen Besucherzahl an. Während des Cortège am Montag und Mittwoch sind gewisse Strassenabschnitte für ein paar Stunden gesperrt. Die Trams und Busse werden dann entsprechend umgeleitet.

Das Programm der Basler Fasnacht

Der Morgenstreich bzw Morgenstraich eröffnet die Basler Fasnacht Foto: Basel Tourismus

Morgenstreich

02.03.2020, 4.00 Uhr

Die Basler Fasnacht beginnt am Montag nach Aschermittwoch um vier Uhr früh. Wenn von der Martinskirche der Glockenschlag ertönt, werden alle Lichter der Innenstadt gelöscht. Auf das Kommando «Morgestraich: Vorwärts, marsch!» der Tambourmajoren ertönen gleichzeitig aus allen Gassen und Strassen die Piccolos und Trommeln der Formationen. Sie alle stimmen die traditionelle Melodie des Morgenstreich-Marsches an, der ausschliesslich zu dieser Gelegenheit gespielt wird. In der komplett verdunkelten Stadt leuchten einzig die vielen verschiedenen Laternen, die von den Fasnächtlern getragen oder gezogen werden, und werfen ihren Schein auf die vielen Tausend Zuschauer aus aller Welt, die diesen magischen Moment miterleben möchten.

Ein besonderes Highlight ist die Laternenausstellung auf dem Münsterplatz. Foto: Basel Tourismus

 Laternenausstellung

02. – 04.03.2020

Auf dem Münsterplatz stellen die Cliquen ab Montagabend ihre kunstvoll und aufwendig gestalteten Laternen zur Schau. Die eindrückliche Ausstellung der in Bilder gefassten Sujets entwickelt besonders nach Sonnenuntergang ihre volle Pracht, wenn die Laternen, wie am Morgenstreich, erleuchten. Der Stil und die Formen der Laternen sind vielfältig. Manche tragen die unverkennbare Handschrift des Cliquenkünstlers, andere sind von Laien gemalt. Auch neue Techniken und innovative Materialien kommen immer mehr zum Einsatz. Was einst mit Karikaturen von bekannten Basler Räten und Persönlichkeiten begann, hat sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem Abbild der Kunstgeschichte entwickelt.

Kinderfasnacht

03.03.2020

Am Dienstag herrscht in der ganzen Innenstadt ein intensives Fasnachtstreiben. In kleinen Gruppen üben sich die Kinder begleitet von ihren Eltern, Grosseltern oder anderen Erwachsenen in der Pflege der Traditionen. In fantasievollen Kostümen, mit Trommeln, Instrumenten und Wägelchen ziehen sie durch die Strassen, verteilen ihre selbstgemachten Zeedel und Dääfeli (Bonbons) und bewerfen sich gegenseitig mit Räppli. Aber auch die Erwachsenen nutzen den Tag, um in frei zusammengestellten Formationen und in ihrem persönlichen Lieblingskostüm die Fasnacht nach Lust und Laune zu geniessen.

Fester Bestandteil der Basler Fasnacht: Das Guggenkonzert. Foto: Basel Tourismus

Guggenkonzert

03.03.2020, 19.30 – 23.00 Uhr

Am Dienstagabend gehört die Stadt den Gugge. Ein Teil der rund 60 Blasmusiken, die mit Trompeten, Posaunen und Tubas, Trommeln, Pauken und Schlagzeugen berühmte Melodien krachend zum Besten geben, treffen sich um 18.30 Uhr auf dem Messeplatz. Dort beginnt ihr Stärnmarsch über die Clarastrasse in Richtung Innenstadt und zu den drei grossen Plätzen (Barfüsserplatz, Marktplatz und Claraplatz), wo sie ihre Konzerte geben. Die beim Publikum beliebten und sehnlich erwarteten Guggenkonzerte finden von 19.30 Uhr bis ca. 22.30 Uhr statt – doch sind viele der Formationen vor- und nachher auch in Restaurants und auf anderen Plätzen der Stadt anzutreffen. Die trommelnden und pfeifenden Gruppierungen ziehen sich an diesem Abend in die Gassen der Altstadtperipherie zurück.

Die Basler Fasnacht beginnt am Montag nach Aschermittwoch um Punkt 4 Uhr morgens und dauert drei Tage. Ein einzigartiges Erlebnis. Foto: Basel Tourismus

 Cortège

02.03.2020 | 04.03.2020, 13.30 Uhr

Am Fasnachtsmontag und -mittwoch findet am Nachmittag der grosse Umzug, der Cortège, statt. Über 11‘000 aktive Fasnächtlerinnen und Fasnächtler zelebrieren in Formationen unterschiedlicher Grösse ihr Sujet. Im Unterschied zum Morgenstreich nehmen alle traditionellen Formationen am Cortège teil: Wagen, Guggenmusiken, Ainzelmasgge, grosse und kleine Cliquen, Gruppen und Chaisen (von Pferden gezogene Wagen). Bei einigen Formationen ist das Sujet bereits aus einiger Distanz erkennbar – auf der grossen Laterne, die der Formation vorausgeht. Das Sujet wird aber auch durch die Larven, Kostüme und Requisiten dargestellt und ergänzt. Hinter dem Vortrab und der Laterne folgen in der Regel die Pfeifer, Tambourmajor und Tambouren.

Ein Teil der grossen Wagen und Requisiten, die am Cortège mitgeführt werden, können am Fasnachtsdienstag auf dem Kasernenareal bestaunt werden.

Rollen der Fasnächtler

Cliquen

Die ersten Cliquen entstanden etwa ab Mitte des 19. Jahrhunderts aus verschiedenen Basler Vereinen und Gesellschaften. Um 1870 wurden die ersten Gesellschaften gegründet, die den alleinigen Zweck hatten, an der Fasnacht teilzunehmen. Es waren oft Quartier- und Vorstadtvereinigungen, was sich in einigen Cliquennamen wie Stainlemer, Spale oder Glaibasler bis heute widerspiegelt. An den drei schönsten Tagen sind sie unterwegs mit Trommeln und Piccolos und bereichern das Fasnachtstreiben mit traditionellen Märschen und neueren Klängen.

Guggenmusiken

Schon Mitte des 19. Jahrhunderts haben Blechmusiken die Umzüge bereichert, und noch in den ersten Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts waren an der Fasnacht Handharmonika- und Mandolinen-Gruppen zu sehen. Aus den Blechmusiken haben sich in der Folge die Guggenmusiken entwickelt. Rund 70 solcher Formationen mit über 2`000 Aktiven nehmen am Cortège teil und geben ihre Konzerte vor allem am Dienstagabend auf grossen Plätzen, aber auch in den überfüllten Wirtshäusern in der Innenstadt.

Wagencliquen

Stark geprägt wird der Cortège auch von den Wagencliquen, die mit aufwendigen und kunstvollen Fahrzeugen ebenfalls Sujets darstellen und ausspielen. Maskierte verteilen von den Wagen herunter Blumen, aber auch Orangen sowie weitere, meist ess- oder trinkbare Kleinigkeiten, immer begleitet von einem zünftigen Räpplisegen (einer Ladung Konfetti).

Schnitzelbänkler

Schnitzelbänkler nehmen das aktuelle Zeitgeschehen unter die Lupe. Jeder einzelne Vers behandelt ein anderes Sujet: Geschehnisse aus den Bereichen Politik, Sport, Wirtschaft und Gesellschaft, die im vergangenen Jahr Schlagzeilen gemacht haben. Die Verse sind kunstvoll gereimte Wortbeiträge, humorvoll, schneidend oder satirisch. Sie halten den Zuhörer in Bann bis hin zum befreienden Lachen bei der Schlusspointe. In den meisten Fällen wird der Vortrag von einem Instrument begleitet. Die Melodien sind teils überlieferte Bänkelsängerweisen, teils abgewandelte bekannte Volkslieder und Schlager. Sie sind vorwiegend abends in diversen Lokalitäten und Cliquenkellern anzutreffen

Endstreich

05.03.2020, bis 04.00 Uhr

Bevor der krönende Abschluss der «drey scheenschte Dääg» mit dem Endstreich erfolgt, intensiviert sich das Fasnachtstreiben am Mittwochabend nochmals. Die aktiven Teilnehmer geben zwischen Mitternacht und 04.00 Uhr morgens noch einmal alles und geniessen diesen weiteren Höhepunkt der Fasnacht in vollen Zügen. Dann, am Donnerstagmorgen kurz vor 04.00 Uhr, gehen die Cliquen und Guggen an einen angestammten Treffpunkt und spielen einen allerletzten Marsch oder ein abschliessendes Musikstück. Dann heisst es Abschied nehmen und sich vorfreuen auf die nächste Fasnacht.

Schnitzelbängg

Eines der wichtigsten Elemente der Basler Fasnacht sind die Schnitzelbänke. Die in Versform verfassten Spottlieder gelten als das Konzentrat des Basler Fasnachtswitzes. Die singend von ihren Verfassern vorgetragenen Schnitzelbänke nehmen Geschehnisse aus Politik und Gesellschaft des letzten Jahres unter die Lupe und lassen sie in kunstvollen Reimen, immer humorvoll, satirisch und mit viel Biss Revue passieren. Die Schnitzelbänkler tragen ihre Verse jeweils am Montag- und Mittwochabend in Restaurants und Theatern, am Dienstagabend auch in Cliquenkellern und Privathäusern vor. Fast so wichtig wie die Verse sind die gemalten Bilder, die sogenannten Helge, die zu jeder Strophe gezeigt werden. Ein gutes Bild muss das Sujet des Verses aufgreifen, ohne seine Pointe zu verraten.